veranstaltungen:

Re-examining Global.Ports

_ hybrid event (panel + workshop) | 4+7 feb '16

Angesichts einer kritischen globalen Konjunktur für Flughäfen und andere „globale Ports“ – in Berlin, der EU und international – soll dieses Treffen die traditionellen Ports und Häfen mit Blick auf ihr politisch-logistisches Versprechen, Menschen, Orte und Angelegenheiten miteinander zu verbinden, einer Neubewertung unterziehen. Mit dem festen Anliegen, Häfen und Ports wieder eine gemeinschaftliche und verbindende Qualität zu verleihen, fragt die Global Port Authority: Welche Transit-Orte könnten in diesen bewegten Zeiten verlässliche Ankerplätze, Rückzugs- oder Zufluchtsorte bieten – für ein globales Netz von Commoning-Initiativen sowie für Menschen, die an einer interplanetaren Konnektivität in einem inklusiven Sinne interessiert sind? Anders gefragt: Welche Kriterien, Methoden und Praktiken sind wichtig für offene Ports? – moderiert von Ben Vickers, Oliver Lerone Schultz mit: Nicholas Anastasopoulos | Fabiane M. Borges | Geheimagentur | Ben Vickers | Oliver Lerone Schultz

Everything Will Be Fine – Working Anxiety

_ prototyping workshop | 4 feb '16

Der im vergangenen Jahrhundert entstandene Komplex aus Militär, Industrie und Forschung hat sich stets auf den Glauben an das Digitale als eine Art Deus ex Machina verlassen, der unsere unüberwindbaren Ängste wie von Zauberhand auflöst und am Ende all unsere Anliegen einlöst. Aber das Digitale ist mittlerweile auch zum Ground Zero für apokalyptische Zukunftsszenarien geworden. Paradoxerweise gilt das Digitale – auch auf dieser Stufe wieder – als Lösung schlechthin. So soll digital vermittelte Gewalt abgeschwächt werden, indem mehr digitale Strukturen geschaffen werden. Dieser Nimbus des Digitalen, Ängste simultan zu generieren, zu befeuern, abzuschwächen und wieder aufzulösen, produziert eine Art eigenen kybernetischen Feedback-Loop. Die Techno-Fixierung überschreibt dabei gerade auch unterprivilegierte Körper, die „Undercommons“, die im postdemokratischen Zeitalter die angstbehafteten Lasten des Erlebens und Bedienens schultern müssen. Der Workshop untersucht postkoloniale, geschlechtsspezifische Orte und weitere politische Kontexte und betrachtet drei Arten postdigitaler politischer Identifikation unserer markierten Körper: Gender, Sexualität, Race. Dagegen sollen neue Vokabulare, Visionen und Praktiken für die Auseinandersetzung mit den Ängsten des digitalen Zeitalters entwickelt werden. mit: Elizabeth Losh | Nishant Shah | Jonathan Worth host Nishant Shah

The Map is the Territory

_ talk | 4 feb '16 | 7 feb '16

Künstler und Aktivist Burak Arikan diskutiert mit Professor Jussi Parikka über kollaboratives Mapping und den Gebrauch visuellen Wissens als ortsbezogene aktivistische Praxis. Die Konversation bezieht sich auf Arikans zweitägigen, bei der transmediale 2016 durchgeführten Graph Commons-Workshop und auf künstlerische Methoden, die unter anderem mit Diagrammen und Graphen politisch relevantes Gemeingut produzieren. Arikans Kunstprojekte und Design-Methoden werden im Licht aktueller Fragen der (Un-)Sicherheitspolitik betrachtet und auf das Potenzial von Graph Commons für investigativen Journalismus, Datenforschung, zivilen Aktivismus, Organisationsanalyse, das Erforschen von Archiven und die kuratorische Praxis hin untersucht. Auch das Format Workshop selbst soll als ortsspezifische Methode des Kartographierens von Links, Knoten, Gebieten und Fragen, die in kollektiven Settings aufkommen können, erprobt werden.

– mit: Burak Arikan | Jussi Parikka

Five Years After

hybrid event (panel + collective display) | 6 feb '16

. „Falls es noch nicht registriert wurde: die Welt ist gerade fast überall in irgendeiner Form dabei, zu rebellieren, sich aufzulehnen oder zu protestieren“, schrieb Rebecca Solnit 2012 – ein Jahr, nach einer Serie von Bewegungen, die sich nach 2011 symbolisch um den Arabischen Frühling herum anordnen lassen. Diese „Post-2011“-Welle von politischen Bewegungen stellte holzschnittartige „Post-9/11“-Narrative rund um den „War on Terror“ infrage. Was Ereignisse in diesem Zyklus von Kämpfen miteinander verband, war nicht primär der organisatorische Zusammenhang, sondern eher ein neues globales Sensorium gegenseitiger Wahrnehmung. Gesellschaftliche Energien ergossen sich erneut auf Straßen und Plätze. In dieser unmittelbaren „post-digitalen“ Auseinandersetzung stellten sich Fragen nach physischer Gefährdung und Gewalt, und inmitten der Fragmentierung auch – alte wie neue – nach Organisation und Strategie. Medien wurden dabei zu zweischneidigen Waffen im Einsatz für wie auch gegen Emanzipation. Wollte unmittelbar nach 2011 Žižek die „Zeichen aus der Zukunft“ noch entschlüsseln, scheint dieser „globale Moment” nun bereits passé. Eine kritische Rückschau – auch in düstere Ecken dieser kollektiven aber verstreuten Erfahrung – scheint nötig, um wieder nach vorne schauen zu können. – moderiert von Oliver Lerone Schultz mit: Esra'a Al Shafei | Heba Y. Amin | Lara Baladi | Özge Çelikaslan | Alper Şen | Oliver Lerone Schultz

Tactical Media and the Archive

_ workshop | 6 feb '16

Als „Tactical Media” wurde in den 1990er Jahren ein Zusammenhang kritischer Praktiken an der Schnittstelle von Kunst, politischem Aktivismus und technologischer und medialer Intervention bezeichnet. Es handelt sich dabei um partizipatorische Eingriffe politisierter „Selbstvermittlung“, die marginalisierten und ausgegrenzten Gruppen und Positionen eine Stimme geben sollten. Das Verhältnis von „Tactical Media” und Archiven war dabei schon immer ambivalent: Archive werden traditionell als etwas wahrgenommen, das lebendige Momente einfängt und in historische, dokumentierte Ereignisse verwandelt – ein Schnitt, der den dynamischen und auf Gegenwärtigkeit ausgerichteten Charakter der „Tactical Media” ins Gegenteil verkehrt. Aufgrund ihrer Skepsis gegenüber Archivierung haben sich Verfechter_innen der Tactical Media daher mit dem Vergessen arrangieren müssen, was allerdings eine kritische Reflexion und Selbstvergegenwärtigung erschwert. Der Workshop untersucht mithilfe bestehender Projekte, welche Möglichkeiten der Dokumentation und Erinnerung trotz dieses grundsätzlichen Widerspruchs bestehen und wie das Archiv vor diesem Hintergrund neu gedacht werden kann. – moderiert von David Garcia, Eric Kluitenberg mit: bak.ma | Lara Baladi | Robert M. Ochshorn | David Garcia | Eric Kluitenberg

Seeing Power - What About That?

_ hybrid event (presentation/reception + AV-performance) | 6 feb' 16

Neue globale Machtkomplexe verlangen neue multisensorische Arten des Wahrnehmens von Machtgefügen und der eigenen Position darin: eine neue sensorische Politik. Dem Konzept der „Altered States“ folgend befragt die Performance GEZILLA DESTROYS ISISTANBUL entsprechend, was als „Europa“ verhandelt wird – in einer geopolitischen Situation, die geprägt ist von sinnlichem Überfluss, sinnlicher Enteignung und spektralen Machtverschiebungen in der postdemokratischen und postdigitalen Ära. Sie beschäftigt sich dabei mit der Golden Age Global Hologram Doctrine, Isistanbul und Anxt Hase States und nutzt moderne Isolationstanks als Teil des neuen Inventars eines „Hardcore-Ultra-Modernismus”. Isistanbul ist auch der Titel eines Video-Essays von Serhat Köksal, das in after.video/assemblages publiziert wird – der ersten Ausgabe einer hybriden „Videobuch”-Serie, die bei Open Humanities Press erscheint. Das after.video Kollektiv lädt daher vor der Performance von 2/5BZ zu einem offenen Empfang zum Start der Publikationsreihe. – mit: 2/5BZ | after.video kollektiv

MediaActs

_ panel | 7 feb' 16

In der postmedialen Gegenwart, in der Medien tief in die Gesellschaft eingesickert sind, hat sich das, was man einst „Medienaktivismus“ nannte, weiterentwickelt, während seine Grenzen in verschiedene Richtungen überschritten und verschoben wurden. Verändert haben sich damit auch die ursprüngliche Idee und der Kontext von „medialer Intervention“, ob in Form von „Tactical Media“ oder anderen aktivistischen Konzepten. Verstärkt durch die neuen „sozialen Medien“ zittert das Versprechen emanzipatorischer Medien zwischen Revolten, Revolutionen, und den Versuchungen der Post-Snowden-Ära, die Kommunikation zu verweigern und sich auszuloggen, oder dem neu erstarkten Impuls, einzelne Archipele mit (halb-)autonomen medialen Infrastrukturen zu schaffen. In einer Zeit, in der sich Medien buchstäblich in den Händen aller befinden, werfen zudem vernetzte Öffentlichkeiten die Frage des „Öffentlichen“ (sprich des medialisierten Öffentlichen) neu auf, in einer Ära, in der sich der vernetzte Kapitalismus die Ästhetiken und Sprachen der Revolution bereits angeeignet hat. Was kennzeichnet in dieser Situation kritische mediale Akte? – eingeleitet von Oliver Lerone Schultz + moderiert von Clemens Apprich with: Heba Y. Amin | David Garcia | Eric Kluitenberg | Simona Levi | Clemens Apprich

Acting on Vision

_ keynote conversation mit Nicholas Mirzoeff + Hito Steyerl | 7 feb '16

Im Zeitalter des audiovisuellen Kapitalismus führt eine allgemeine „Postproduction“ (Hito Steyerl) zu einer Industrialisierung des Blicks wie auch des Visuellen überhaupt. Multimodale Geräte und kybernetische Netze verschmelzen das Visuelle mit anderen medialen Formen. Operative Protokolle und (halb-)automatisierte Prozesse steuern zunehmend den Blick. „Seeing is believing“ ist unter der Hand zu „Seeing is acting“ geworden – und Drohnen und Überwachungskameras erinnern uns stetig daran, dass Gesehenwerden immer auch bedeutet, kontrollierbares Objekt fremder Handlungen zu sein. Wo Regieren bedeutet, andere den Technologien und Kulturen der Visualisierung zu unterwerfen ist Un/sichtbarsein scheinbar zu einem emanzipatorischen Akt geworden. Welche Handlungsspielräume, welche Strategien und Optionen, eigene Visionen zu gestalten, bleiben also? Wie lässt sich im Antlitz der sozialen Algorithmen agieren? Beide Stimmen dieser Konversation beteiligen sich schon lange an der Verhandlung des „Clash of Visualizations“ (Nicholas Mirzoeff). Auf je eigene, aber komplementäre Weise nähern sich beide mit analytischen, ästhetischen und strategischen Ansätzen den Politiken des Visuellen an. Diese Keynote Conversation diskutiert, welche widerständigen medialen Handlungsstrategien es in Zeiten visueller und anderer sozialer Einschlüsse gibt. – moderiert von Oliver Lerone Schultz mit: Hito Steyerl | Nicholas Mirzoeff | Oliver Lerone Schultz

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@ transmediale conversationpiece

„Everybody is talking“, und es geht einem wahrscheinlich wie dem Protagonisten dieses ikonischen Songs aus den 1960er Jahren – statt Worten hört man nur das Echo der eigenen Stimme durchs Netz hallen. Als Folge des globalen Wettbewerbs zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen um die Hoheit über die Kontexte und Rahmenbedingungen für Konversationen und Diskurse scheint sich Frustration auszubreiten. Dieser Wettbewerb ist ein Prozess, in dem wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert werden: der Krieg gegen den Terror, Wirtschaftswachstum, die Flüchtlingskrise, Klimawandel und Big Data, um nur einige der unterschiedlichen, aber dennoch eng zusammenhängenden Inhalte zu nennen. Schon in der Vergangenheit hat sich die transmediale mit diesen und vielen anderen Themen beschäftigt. Mit der diesjährigen Ausgabe möchten wir einen kritischen Blick auf die Konversation an sich werfen und das Format des postdigitalen kulturellen Events neu denken. Der Titel Conversation Piece bezieht sich auf idealisierte Szenen der Unterhaltung zwischen mehreren Personen im Rahmen des gleichnamigen Malereigenres, das im 17. und 18. Jahrhundert populär wurde. Die Gemälde zeigen Ausschnitte aus dem Alltagsleben des Bürgertums: Teegesellschaften, Picknicke, Ausstellungsbesuche oder Salons, in denen sich Menschen zwar in privaten und informellen, aber immer auch hierarchischen Situationen unterhalten. Natürlich kann man diese idealisierten Szenen einer einheitlichen Gesprächskultur weder eins zu eins in die Gegenwart übertragen, noch ist das erstrebenswert. Unterhaltungen sind an sich schon fragmentarisch im Rahmen dessen, was wir globale Öffentlichkeit nennen; und innerhalb dieser Sphäre ist das Privileg der Teilnahme am Gespräch zumindest teilweise demokratisiert und dezentralisiert worden. Oberflächlich betrachtet mag diese Entwicklung positiv erscheinen, doch anstatt uns der radikalen Vielzahl von Themen und Positionen zu stellen, beobachten wir, wie Gesellschaften zu hierarchischen Formen der datafizierten Konversation zurückkehren: Datengewinnung tritt an die Stelle von Inhalten, der Kontext wird zunehmend wichtiger als der Text. Das einzige am historischen Conversation Piece, das sich aufzugreifen lohnt, ist die Schaffung einer gemeinsamen Grundlage für Argumente und Ansichten. Es geht nicht etwa um die beständige Grundlage eines traditionellen Wertekanons, sondern eher um das Formulieren einer Vielzahl gemeinschaftlicher Vorstellungen, und, noch wichtiger, um das Commoning von Inhalten und Ressourcen, damit diese Vorstellungen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielschichtigkeit anerkannt werden können. Neue Vokabulare und Sensibilitäten sind erforderlich, um die verschiedenen sozialen, ökonomischen und technologischen Modelle benennen und unterscheiden zu können, die momentan in Reaktion auf die immer prekärer werdenden Lebensbedingungen in der Welt entstehen. Diese Situation bringt neue Vorstellungen dessen mit sich, was ein Gespräch sein kann, und einen neuen Umgang mit den im Spätkapitalismus vorherrschenden Ängsten. Auf dieser Website stellen wir die vier Aufhänger des Programms der transmediale 2016 vor: Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share und Anxious to Secure. In Anlehnung an das historische Malereigenre Conversation Piece stellen diese mögliche ideale Szenerien dar – nur eben nicht aus dem Alltag des Bürgertums, sondern aus dem Feld zeitgenössischer kultureller Praktiken, die im gleichen Maße zwanghaft geworden sind, wie ihre Ausrichtung auf die Zukunft von ägstlicher Unsicherheit unterlegt ist. transmediale/conversationpiece hat nicht den Anspruch, den gegenwärtig herrschenden Drang, etwas tun zu müssen, aufzulösen, sondern will lediglich der Tatsache Rechnung tragen, dass der gegenseitige Austausch einen Wert an und für sich besitzt. Durch die künstlerische, multimodale Auseinandersetzung mit den diskursiven, sinnlichen und ästhetischen Aspekten der verschiedenen Themen sollen neue gemeinsame Gesprächsgrundlagen entstehen.